… auf einmal ist alles anders.

Wie schnell sich alles ändern kann, von heut‘ auf morgen. Noch vor drei Wochen war der Funky-Kalender bis zum Rand gefüllt mit Vorstellungsterminen. Jetzt – gähnende Leere. Alle Auftritte wurden abgesagt. Nun blicken Hanno Liesner, sein Team und alle Tänzerinnen und Tänzer vom Funky e.V. auf eine lange, ungewisse Zeit. Kein Einzelfall. Die Corona-Krise hat Sportveranstalter und viele viele andere Branchen mit voller Wucht getroffen und Existenzen sind akut bedroht. In diesem Interview sollte es eigentlich um das geplante Funkydrom gehen, um barrierefreie Trainingsräume und die Teilnahme beim nächsten Karnevalsumzug mit einem eigenen Wagen. Auch wollten wir über die LGBT-Freien Zonen in Polen sprechen. Pustekuchen.

Hanno Liesner
Foto: Funky e.V.

Hanno, noch bevor die Stadt Münster alle Sportangebote abgesagt und Sportanlagen geschlossen hat, hat Funky e.V. eine Woche vorher verkündet, das Training bis zu den Osterferien auszusetzen.
Richtig. Denn Menschen mit einem Handicap haben oft, bedingt durch Vor- und Begleiterkrankungen, ein geschwächtes Immunsystem. Null Risiko lautet unsere Devise. Deshalb haben wir schnell reagiert und einen Krisenstab gebildet, um adäquat reagieren zu können. Schnell war die Entscheidung gefallen, das Training zugunsten der Gesundheit abzusagen.

Doch inzwischen hat sich noch mehr verändert.
Ja, alle Auftritte bis Ende April wurden storniert. Damit fehlt uns ein fünfstelliger Betrag in unserer Kasse. Gleichzeitig sind Miet-, Personalkosten fällig und andere laufende Kosten.

Wurden Euch entsprechende Ausfallhonorare angeboten?
Nein.

Das macht Angst.
Ja, definitiv – wenn nicht schnell unbürokratische und finanzielle Hilfen angeboten werden, müssen wir um die Zukunft des Funky e.V. bangen. Alles, was wir aufgebaut haben, könnte dann den Bach runter gehen. Denn wir rechnen damit, dass auch nach der akuten Corona-Krise erstmal weniger Auftritte angefragt werden.

Wie viele Arbeitsplätze sind in Gefahr?
Drei! Aber es geht auch um sehr viele Tänzerinnen und Tänzer sowie 25 Ehrenämtler, die von heute auf morgen ihr geliebtes Hobby verlieren würden.

Und wie viele Tänzerinnen und Tänzer sind betroffen?
Rund 260 Tänzerinnen und Tänzer.

Wie geht es weiter?
Keine Ahnung. Uns ist natürlich klar, dass wir mit unserem Problem nicht allein sind. Stellvertretend für alle, kann ich nur an die Politiker in Deutschland und Münster wie auch die zuständigen Behörden appellieren, umgehend praktische Hilfen anzubieten.

Mit wem bist du im Austausch?
Moralische Unterstützung bekommen wir von vielen Seiten: Unser ganzes Netzwerk steht hinter uns. Trotzdem, größtenteils sind die selbst von der Corona-Krise betroffen und können nicht in dem Umfang helfen, wie es notwendig wäre. Die schwimmen selbst, da die Zukunft ungewiss ist.

Hast Du schon mit den Verantwortlichen der Stadt Münster gesprochen?
Indirekt. Ich habe ein ausführliches Hilfegesuch geschickt und warte derzeit noch auf eine Reaktion.