„Gesundheit durch Bewegung, Ernährung und einen positiv denkenden Kopf“ – so lautet der Zoomcall-Vortrag von Andreas Klose am kommenden Sonntag. Andreas Klose ist Leistungssportler, Sport- und Physiotherapeut, Referent und Dozent an der Universität Münster (Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaft). 2019 flog er mit einer übersprungenen Höhe von 1,70 Meter beim Hochsprungwettkampf der Altersklasse M50 an die Weltspitze und platzierte sich bei dem WM-Abenteuer im Mehrkampf auf Platz 5.
Münster aktiv im Gespräch mit Andreas Klose

Andreas, Sport ist Deine Leidenschaft, weil …
… weil jegliche Art von Bewegung und Sport meine Lebensqualität und Lebensfreude steigert. Nur so kann ich ein langes gesundes Leben führen. Leistungssport ist nur ein Teil von meinem Leben, die Grundsätze habe ich aber dennoch auf meinen Alltag übertragen.

Warum gibt es so viele Coach Potatos?
Ich glaube, dass viele Menschen keinen Focus in ihrem Leben haben. Leider verzeiht der Körper auch lange Zeit einen schlechten Lebenswandel, bevor es mit Problemen los geht. Die Wissenschaft belegt, dass der Aufwand nicht groß ist, um lange und gesund zu leben. Dieses Wissen muss man aber erstmal unter die Leute bringen, damit der Mensch Bewegung und Sport als tägliche Routine versteht. Um langfristig Erfolg zu haben (beruflich, gesundheitlich, sportlich etc.) muss man aus einer schlechten Gewohnheit, eine gute Gewohnheit machen. Die Informationsflut ist gleichzeitig sehr groß. Mein Vortrag soll Licht ins Dunkle bringen und dabei helfen, seinen eigenen Weg zu finden.

Wie hältst Du Dich mental und körperlich fit in der Corona-Krise?
Bei mir ist das unabhängig von Krisen. Ich habe einen festgelegten Tagesrhythmus. Ich stehe immer um 5 Uhr auf, dann gibt es ein Morgenritual und etwas Sportliches, um 6 Uhr trinke ich eine Tasse Kaffee, danach geht es an die Uni, um die Performance der Studierende zu verbessern. Ich habe einen festen Rhythmus und eine Struktur, die mit Inhalten gefüllt ist: Ein Mix aus Arbeit, Meditation, Sport, Bewegung, Entspannung und Ernährung.

Mit welchen Schwierigkeiten haben Deine Studenten aufgrund der Corona-Pandemie zu kämpfen?
Diese Frage kann ich nicht korrekt beantworten, da jeder anders mit der Situation umgeht. Dennoch beobachte ich, dass viele Studierende ihren Rhythmus verlieren und müde sind. Und das ist auf Dauer nicht gesund. Viele Zoom-Sitzungen, immer weniger Bewegung und Sport, deutlich weniger soziale Kontakte, verändertes Essverhalten, anderer Tagesrhythmus sind einfach nicht gut für die Gesundheit. Einige fühlen sich einsam und entwickeln auch Ängste und Depressionen. Wir haben auch Messungen gemacht, ob sich die Körperzusammensetzungen verändern bzw. verschieben und auch da gewinnen wir die Erkenntnis, dass die Muskeln eher abbauen und das Fettgewebe (auch das krankmachende Fett, das sog. viscerale Fett) sich tendenziell erhöht. Das ist auffällig.

Mit welchen Maßnahmen kann man dem entgegensteuern?
Ich habe viele Zoomsitzung gemacht, den Studierende Praxistipps für den Alltag gegeben wie auch Trainingspläne erstellt. Doch permanente Zoomsitzungen für Sportstudenten sind nicht die Lösung sondern eigentlich ein Supergau. Alles nur auf Digitalisierung, Theorie und Zoom zu reduzieren, funktioniert eben nicht. Die Praxis bzw. die praktische Lehre, wo der Dozent direkten Einfluss auf jeden Kursteilnehmer nehmen kann ist durch nichts zu ersetzen. Das zeigte sich schon beim ersten Lockdown. Die Inhalte von Zoomsitzungen bleiben nur wenig hängen. Zoomsitzungen sind nur Krücken. Sport und Bewegungen kann man nicht nur theoretisch vermitteln.

Um sportliche Erfolge zu erzielen, braucht man Talent, Disziplin und Fleiß?
Ich würde es anderes sagen. Talent ist nicht ausschlaggebend. Das Herz muss für eine Sache brennen. Man braucht viel Disziplin, Ausdauer und Willenskraft, sonst wird man es schwer haben großen sportlichen Erfolg zu erreichen. Du musst Dich immer Fragen: „wofür brennst Du?“. Was ist Deine Motivation? Warum ist das wichtig für Dich? Und wenn das Feuer brennt, dann setze Dir Ziele und Zwischenziele um Deinen Weg zu verinnerlichen. Und dann wird man merken, dass der Weg das eigentliche Ziel ist. Der Erfolg ergibt sich von selbst, wenn man für eine Sache so richtig brennt und motiviert ist. Deswegen ist Talent nicht die ausschlaggebende Komponente.

Andreas Klose
Foto: privat