Ein Beitrag von Alexander Heflik.
Möglicherweise ist es das Glück der späten Terminierung im Jahr. Die 19. Auflage des Volksbank-Münster-Marathons findet erst am 20. September statt, zwei Wochen später am 3. Oktober werden die Sieger beim 15. Sparkassen-Münsterland-Giro gesucht. Allerdings: Bis zum 31. August sind alle Großveranstaltungen im Zuge der Corona-Krise abgesagt. Menschenmengen – nein danke. Deshalb gibt es auch keine Fußballspiele mit Zuschauern. In den Profiligen, die in der Regel Ende Juli/Anfang August starten, rechnet man mit Geisterspielen an den ersten Spieltagen im Sommer.

Sparkassen Münsterland Giro, Rainer Bergmann Organisationsleiter
Foto: Sparkassen Münsterland Giro, Rainer Bergmann Organisationsleiter (links)

Im professionellen Radsport wird gerade an einem verdichteten Rennplan im Spätsommer und Frühherbst gearbeitet. Vieles dreht sich dabei um die Tour de France, die mit zweimonatiger Verspätung am 29. August in Nizza starten soll. Was das mit dem Sparkassen-Münsterland-Giro zu tun hat?
Eine Menge. Denn der Profizirkus will damit richtig Fahrt aufnehmen für gut drei Monate Rennsport. Und  eine Konsequenz daraus könnte heißen: Giro gegen Giro. Denn auch der Giro d’Italia soll nachgeholt werden, die Italien-Rundfahrt sollte am 9. Mai in Budapest gestartet werden. Nun gilt der 3. Oktober als alternativer Startpunkt. Und da war noch was, am Tag der deutschen Einheit findet seit 14 Jahren stets der Giro in Münster statt. Über 4000 Jedermann-Fahrer sind dabei in der Region unterwegs.
Zudem galt das Profirennen, das in diesem Jahr in Enschede starten wird, als einer der Abschlüsse der europäischen Rennsaison. Hinter den sogenannten World-Tour-Rennen ist der Münsterland-Giro in der Wertigkeit als „1. Pro“ in der zweithöchsten Kategorie eingestuft. Die 200 km zwischen Enschede und Münster sind alles andere als ein Kirmesrennen. Viel mehr Profi-Radsport geht kaum noch.
Nach den ursprünglichen Plänen wäre die Konkurrenz an diesem Tag, und das ist wichtig bei der Verpflichtung von Teams und Fahrern, überschaubar gewesen mit dem gleichwertigen Tagesrennen Giro dell’Emilia in Italien und der drittklassigen Ecuador-Rundfahrt.
Nun aber wird der Giro d’Italia eine Reihe von Topfahrern förmlich „absaugen“. Die Partie durchs Münsterland wird aber für die deutschen Topfahrer ohne Rundfahrt-Ambitionen, diejenigen, die die Tour bestritten haben, und möglicherweise auch die WM-Fahrer höchst interessant bleiben.
„So ein Rennen wird das ganze Jahr über vorbereitet“, sagt Rainer Bergmann als Chef-Organisator, es gebe stetig was zu tun, die Abläufe hätten sich über die Jahre eingespielt, die Organisation des Rad-Spektakels bleibt im Fluss.
Gleichzeitig bleibt man vorsichtig. Werden normalerweise die Jedermannstrecken ab Ostern ausgeschildert, so wurde in diesem Jahr darauf verzichtet, damit niemand zum Gruppentraining verleitet werden könnte. Das Anmeldeverfahren beim Giro ist erwartungsgemäß zum Stillstand gekommen. Bis zum Lockdown waren die Anmeldezahlen leicht über dem Vorjahresschnitt, nun warten die Aktiven ab. Der 31. August dürfte dabei spätestens der Stichtag sein, an dem eine Entscheidung gefallen sein wird.

https://www.wn.de/Sport/Lokalsport/Muenster/4188875-Rad-Spektakel-nicht-abgesagt-Neuer-Rennkalender-Giro-vs.-Giro