Der Stadtsportbund Münster fordert den Oberbürgermeister, die politischen Gremien und die Stadtverwaltung dazu auf, sechs Wochen nach Schließung aller Sportstätten den organisierten Sport verstärkt in den Blickpunkt des Handelns zu nehmen.

Michael Schmitz
Foto: SSB Münster, Michael Schmitz

„Das Prinzip „Stay at home“ hat in Münster auch deshalb so erfolgreich funktioniert, weil unsere 200 Sportvereine und ihre 95.000 Mitglieder ausnahmslos mitgezogen haben“, sagt der SSB-Vorsitzende Michael Schmitz. „Einmal mehr hat sich gezeigt: Auf seine Sportlerinnen und Sportler und auf seine Sportvereine kann sich Münster verlassen.“
Aus Sicht des SSB Münster hätte es bereits Mitte März eine Reihe von sehr guten Argumenten für das Fortführen vereinzelter Sportangebote gegeben. „Wir haben diese Argumentation aber bewusst zurückgestellt, weil wir damit nicht den solidarischen Ansatz des „Stay-at-Home“ gefährden wollten“, so Schmitz: „Hier galt und gilt selbstverständlich weiterhin Gemeinsinn vor möglichen Einzelinteressen.“

Zeit für eine differenzierte Betrachtung

Weil die Komplettschließung aller Sportstätten in Münster am Montag in die nunmehr siebte Woche gehe, sei es jetzt Zeit für eine differenzierte Betrachtung, so die einhellige Auffassung im Dachverband der münsterischen Sportvereine. Schmitz macht dies in seinem Schreiben an OB Markus Lewe an einer Fülle von Beispielen fest: „Wenn sich doch zwei Menschen zum Spazieren verabreden dürfen, spricht auch nichts dagegen, wenn sie gemeinsam eine Runde Golf spielen oder sich beim Speckbrett oder Tennis begegnen.“ Einen vorsichtigen Restart sieht Schmitz nicht nur bei Outdoor-Sportarten: „Beim Fechten gilt ja bereits die Maskenpflicht. Und was spricht dagegen, dass unsere Deutschen Meister im Tanzen, David Jenner und Elisabeth Tuigunov, ihr Training zu zweit ausüben, ggf. mit den Anweisungen eines Coaches in einer gewissen Distanz? Der Besuch eines Baumarktes mit Kunden in dreistelliger Zahl dürfte deutlich riskanter sein.“
Wichtig sei in jedem Fall, dass die „Leitplanken“, die die Sportverbände bundesweit für eine Wiederaufnahme des Sportbetriebs definiert hätten, eingehalten werden. Das Umziehen und Duschen sollte daheim erfolgen, enger Körperkontakt vermieden werden. Hygieneregeln sind selbstverständlich einzuhalten. Der SSB will mit seinem Vorstoß eine konstruktive und kreative Diskussion für einen vorsichtigen Neustart einleiten. „Dazu haben wir leider bisher weder aus der Bundes- noch Landespolitik etwas Brauchbares gehört.“ Und auch in Münster müsse sich das städtische Handeln nach sechs Wochen Shutdown, die wir ausdrücklich begrüßt haben, weiterhin darauf beschränken, nur die Schlösser der Sportstätten auszutauschen, damit Unbefugte vom Betreten ferngehalten
Münster, 19. April 2020 werden: „Es gilt jetzt für alle Sportarten konkrete Konzepte zu erarbeiten. Der SSB wird diesen Weg aktiv begleiten; viele Vereine haben sich hier auch schon auf den Weg gemacht.“

Organisierter Sport in der größten Krisensituation seit 1945
Auch wenn die Auswirkungen noch nicht konkret benannt und beziffert werden können – dies ist ja wesentlich von der Länge der Pandemie abhängig – ist es für den SSB Münster, gewiss, dass sich der organisierte Sport in der Stadt in der mit weitem Abstand größten Krisensituation seit 1945 befindet. Dies betreffe die Sportvereine in ihrer gesamten Struktur und Finanzkraft, aber auch die Frage, ob und wie zukünftig weiter flächendeckend Breitensportangebote aufrechterhalten werden können, gerade auch mit Blick auf die Risikogruppen. Ebenfalls völlig offen sei, wie und in welchem Umfang der Leistungssport in der Stadt nach Corona gesichert werden kann, so Schmitz: „Wir werden nach der Krise eine andere Leistungssport-Szene erleben als vor der Krise. Schon jetzt ist für viele Kaderathleten fast ein Ding der Unmöglichkeit, ihr Fitnessniveau zu halten. Eine weitere Frage ist: „Wie sichern wir die beruflichen Existenzen von Trainern, Übungsleitern und hauptamtlichen Geschäftsstellenmitarbeiter*innen und verhindern ihr Abwandern aus dem Sport“, so der SSB-Vorsitzende. Last but not least bemängelt der SSB, dass auch bei der sukzessiven Schulöffnung ab dem 4. Mai der Sport offensichtlich nicht mitgedacht wurde – dabei gehörten doch Bewegung und Bildung untrennbar zusammen. SS