Mathias Mester wurde in der Schule als Gartenzwerg beschimpft. Kinder sind eben nicht immer nett. Doch die Zeiten sind längst vorbei. Er ist mit 1,42 Meter zwar kein Riese geworden, doch im Sport inzwischen groß rausgekommen. Wie kaum ein anderer beherrscht der Münsteraner die Disziplinen Kugelstoßen, Diskus- und Speerwurf und kann zig Medaillen sein Eigen nennen. Mathias ist u.a. 7-facher Weltmeister, 3-facher Europameister – ach, und nicht zu vergessen sind seine 37 Tsd. Follower bei Instagram.

Zur Überbrückung der wettkampflosen Zeit während der Corona-Pandemie und der Verlegung der Paraolympischen Spiele auf den August 2021, initiierte Mester im April 2020 die Parantänischen Spiele: eine 14-tägige Serie sportlich-spaßiger „Wettkämpfe in häuslicher Quarantäne“. Mester wurde dafür vom Deutschen Behindertensportverband mit dem Sonderpreis „Besondere Leistung“ bei der Wahl zum „Parasportler des Jahrzehnts“ ausgezeichnet.

Aufgrund des großen Erfolgs im Frühjahr dieses Jahres fällt am 27. Dezember wiederholt der Startschuss für die zweite Auflage der Parantänischen Spiele. Austragungsort ist erneut Coesfeld. Wird die Bürgermeisterin Eliza Diekmann die Spiele eröffnen? Was ist geplant?
Wer die Spiele eröffnen wird, ist noch streng geheim. Doch ansonsten wird es genauso wie im Frühjahr wieder viel zu lachen geben.

Wirst Du wieder im Badewannenkraulen an den Start gehen?
Nein, dafür ist es zu kalt. Da es sich um die Parantänischen Winterspiele handelt, wird es zum Beispiel Bobfahren geben, Skisprung, Eishockey und Eiskunstlaufen.

Gibt es auch ein Wiedersehen mit Mandy Mester?
Das ist noch nicht ganz klar, aber wir hoffen natürlich alle, dass Mandy Zeit hat.

Der Verdacht liegt nah, dass auch die Assistentin von Professor Boerne Silke Haller – genannt Alberich – aus dem Münster Tatort dabei ist.
Nein, bisher nicht. Wir haben keinen Kontakt. Aber keine schlechte Idee.

Worum geht es Dir bei den Parantänischen Spiele?
Ich möchte mit meinen comedyartigen Sportarten ein Lächeln in die Gesichter zaubern. Der Winter ist so trist, besonders jetzt im zweiten Lockdown. Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, den Menschen zu helfen. Ebenso wird es wieder eine Spendenaktion für einen guten Zweck geben.

Wie kommt es eigentlich, dass Du in Coesfeld lebst?
Coesfeld ist nur eine Zwischenstation, auch wenn es hier sehr schön ist. Davor lebte ich lange Zeit in Leverkusen, Köln und Stuttgart. Nach der Trennung von meiner Freundin Anfang 2020 ging es dann aber erstmal wieder in die Heimat. Vermutlich bis zum nächsten Sommer. Abhängig davon, wie sich die Sache mit der Pandemie und den Wettkämpfen entwickelt.

Nach außen lebst Du einen sehr lockeren Umgang mit Deinem Handicap.
Ja, das ist richtig. Da hat es „jemand“ gut mit mir gemeint. Es liegt in meinen Genen, über mich selbst und meine Behinderung lachen zu können. So fallen Barrieren. Das ist meine Erfahrung. Und mal andersrum gefragt: Soll ich den ganzen Tag heulen, nur weil ich nicht so groß wie andere bin? Soll ich keinen Spaß mehr am Leben haben?

Was ist Deine Message?
Man sollte aus allem immer das Beste machen. Und ich finde, jeder Mensch hat irgendwo ein Handicap: Der eine sitzt im Rollstuhl, der andere hat Diabetes oder eine Glatze, ist dick oder dünn. Niemand ist perfekt. Ich möchte zeigen, dass man auch mit einer Behinderung ganz normal am Leben teilhaben kann. Das Leben ist zu kurz, um sich nur um seine Behinderung zu drehen. Mit Offenheit kommt man oft weiter im Leben.

Erlebst Du heute noch eine Art von Diskriminierung?
Tatsächlich nur noch sehr selten. In der Kindheit sah das anders aus. Werde ich heute mal doof angequatscht, stehe ich darüber.

Bist Du auch in Gremien tätig?
Bisher wenig. Im Moment möchte ich mich auf den Sport konzentrieren und an meiner Arbeit als Speaker arbeiten.

Denkst Du über Dein Ende Deiner Sportler-Karriere nach?
Tokio werden 2021 definitiv meine letzten Spiele werden. Aus gesundheitlichen und körperlichen Gründen müsste ich eigentlich schon heute aufhören. Leistungssport ist nicht gesund und ich hatte schon viele OPs. Aber Tokio möchte ich noch mitnehmen. Es macht einfach riesig viel Spaß. Dafür möchte ich alles geben und top vorbereitet sein.

Wie zufrieden bist du mit der Medienpräsenz der Paraolympischen Spielen?
Luft nach oben ist definitiv. 2008 wurden 40 Stunden übertragen, bei den Spielen in Rio waren es bereits über 100 Stunden. Es wird schon mehr. Man muss eben Geduld haben.

Was ist das Erste was Du machst, sobald die Pandemie vorbei ist?
Mich mit ganz vielen Freunden treffen, Essen gehen, die Sau rauslassen. Nachts durch die Kneipen ziehen.

Instagram
www.mathiasmester.de

Mathias Mester
Mathias Mester – Foto: Studio Ignatov