placeholder image

Dörte Michels: Mit Schnitzel und Pommes zur Deutschen Meisterschaft

Es gibt Wettkampfvorbereitungen mit Pasta, strengem Ernährungsplan und minutiös getimten Ritualen. Und es gibt Dörte Michels. Die 62-jährige Triathletin aus Burgsteinfurt hat beim Viking Triathlon auf der Mitteldistanz am 21. Juni in 5:11:11 Stunden den Deutschen Meistertitel in der Altersklasse W60 geholt. Und sie erzählt ganz nebenbei, dass es am Abend vorher Schnitzel mit Pommes gab. Kein Konzept, kein Verzicht, sondern ein Geburtstag bei der Schwiegermutter.

Im Gespräch erklärt sie, warum genau diese Mischung aus Konsequenz im Training und Gelassenheit im Alltag für sie funktioniert, wie sie sich über Jahre an die Spitze ihrer Altersklasse gearbeitet hat und warum Triathlon für sie längst mehr ist als ein Einzelsport.

Frau Michels, Sie sind Deutsche Meisterin geworden. Wie fühlt sich das an?

Natürlich freue ich mich sehr über den Titel. Besonders stolz bin ich aber auf meine Zeit. Mit dieser Leistung hätte ich sogar in den Altersklassen W50 und W55 gewonnen. Das zeigt mir, dass sich das ganze Training wirklich gelohnt hat.

Sie haben sich sehr gezielt vorbereitet. Was war diesmal entscheidend?

Ich trainiere seit vielen Jahren nach einem strukturierten Plan und führe seit 2002 sehr genaue Trainingsaufzeichnungen. Dadurch weiß ich ziemlich genau, was für mich funktioniert. Ich schaue mir oft an, was im Vorjahr gut gelaufen ist. Entscheidend ist die richtige Mischung aus Belastung und Erholung. Gerade im Alter wird die Regeneration immer wichtiger..

Wie waren die Bedingungen beim Rennen?

Eigentlich sehr gut. In Schleswig Holstein hatten wir etwa 25 bis 26 Grad. Damit komme ich gut zurecht. Viel heißer hätte es für mich nicht sein müssen. Auch das Schwimmen war angenehm, die Schlei war nicht besonders warm.

Sind Sie mit einem besonderen Gefühl ins Rennen gegangen?

Nicht unbedingt. Aber ich wusste, dass die Vorbereitung gut gelaufen war. Ich hatte mich gut erholt und die Bedingungen haben gepasst. Im Rennen hat sich dann nach und nach gezeigt, dass es ein guter Tag werden kann.

Sie haben bereits zwei künstliche Hüften. Macht der Titel deshalb etwas Besonderes aus?

Vielleicht schon. Man muss mit solchen Voraussetzungen umgehen lernen. Aber ich habe immer versucht, nach vorne zu schauen. Entscheidend ist, konsequent zu trainieren und auf den eigenen Körper zu hören.

Sie sind nicht nur Altersklassen Siegerin geworden, sondern auch im Gesamtfeld sehr weit vorne gelandet.

Ja, darüber freue ich mich sehr. Wenn man als älteste Teilnehmerin im gesamten Feld 27. von 116 Frauen wird, dann zeigt das schon, dass man noch gut unterwegs ist.

Viele beschäftigen sich im Triathlon stark mit Ernährung. Haben Sie darauf besonders geachtet?

Eigentlich nicht. Durch das Training habe ich keine Probleme, mein Gewicht zu halten. Natürlich spielt Ernährung eine Rolle, aber ich mache da keine große Wissenschaft daraus. Am Tag vor dem Rennen gab es bei mir sogar Schnitzel mit Pommes. Meine Schwiegermutter hatte ihren 93. Geburtstag und das war einfach das Gericht, das mich am meisten angesprochen hat.

Wie haben Sie sich während des Rennens verpflegt?

Ich habe bewusst etwas weniger Koffein genommen als sonst, damit ich nicht so kribbelig werde. Während des Rennens hatte ich mehrere Gels, einen Energieriegel und einen Trinkgurt dabei. So konnte ich regelmäßig Energie zuführen. Das hat sehr gut funktioniert.

Haben Sie bei den Gels einen Favoriten?

Einen Geheimtipp habe ich nicht. Wichtig ist, dass man im Training ausprobiert, was funktioniert. Bei mir sind es aber ganz klar Gels mit schwarzer Johannisbeere, die mag ich richtig gerne.

Frauen sind auf den langen Distanzen noch immer in der Minderheit. Woran liegt das aus Ihrer Sicht?

Der Frauenanteil steigt insgesamt deutlich. Bei vielen Veranstaltungen sieht man das bereits. Auf den ganz langen Strecken ist er aber noch geringer. In höheren Altersklassen werden die Felder naturgemäß kleiner. Ich glaube aber, dass in den kommenden Jahren noch mehr Frauen dazukommen.

Was würden Sie Frauen sagen, die mit dem Triathlon anfangen wollen?

Einfach anfangen. Man muss nicht sofort lange Distanzen machen. Wichtig ist, Freude an der Bewegung zu haben und dranzubleiben. Viele unterschätzen, was sie schaffen können.

Der Triathlon galt lange als Einzelsport. Hat sich das verändert?

Ja, deutlich. Früher war jeder eher Einzelkämpfer. Heute gibt es viel mehr Teamgefühl. Vereinskollegen fiebern mit, gerade in den Ligen. Das macht den Sport noch schöner.

Was bedeutet Ihnen dieser Titel persönlich?

Er ist eine schöne Bestätigung dafür, dass sich die Arbeit gelohnt hat. Und er zeigt mir, dass man sich auch mit 60 noch große sportliche Ziele setzen und erreichen kann.

Text: Münster aktiv / Foto: privat

Optik Viehoff
Münster Inklusiv
Partner der Klimastadt
Triple Master 2026
Sport im Park
Volksbank Münster
ZfS Münster-City-RUN