
Fastenwandern: „Es geht nicht in erster Linie ums Abnehmen“
Gesundheit · Interview · 13. Juli 2026
Eine Woche ohne feste Nahrung – und trotzdem täglich mehrere Kilometer durch die Natur wandern? Was zunächst ungewöhnlich klingt, begeistert immer mehr Menschen. Fastenwandern ist weit mehr als eine Methode zum Abnehmen: Es ist eine bewusste Auszeit vom Alltag, die Körper und Geist neue Energie schenken soll. Warum Bewegung dabei eine entscheidende Rolle spielt, welche gesundheitlichen Effekte dahinterstecken und weshalb viele Teilnehmer jedes Jahr wiederkommen, verrät Fastenwanderleiterin Birgit im Interview mit Münster aktiv.
Münster aktiv: Birgit, was genau verbirgt sich eigentlich hinter Fastenwandern?
Birgit: Fastenwandern verbindet eine bewusste Fastenwoche mit täglichen Wanderungen und viel Bewegung in der Natur. Ziel ist es nicht in erster Linie, Gewicht zu verlieren, sondern Körper und Geist eine Pause zu gönnen. Das Fasten unterstützt Regenerationsprozesse im Körper, während die Bewegung dafür sorgt, dass der Stoffwechsel optimal arbeitet. Viele Teilnehmer berichten anschließend, dass sie sich körperlich fitter, geistig klarer und insgesamt erholter fühlen.
Münster aktiv: Viele verbinden Fasten sofort mit Gewichtsabnahme. Ist das der wichtigste Effekt?
Birgit: Nein, überhaupt nicht. Der Gewichtsverlust ist eher ein angenehmer Nebeneffekt. Im Mittelpunkt steht die Gesundheit. Während des Fastens kommt der Körper in einen Stoffwechselprozess, der Autophagie genannt wird. Vereinfacht gesagt werden dabei alte oder beschädigte Zellbestandteile abgebaut und recycelt. Das aktiviert die natürlichen Regenerationsprozesse des Körpers und kann sich positiv auf viele Bereiche auswirken – vom Stoffwechsel bis hin zum Herz-Kreislauf-System.
Münster aktiv: Was überrascht die Teilnehmer nach einer Fastenwanderwoche am meisten?
Birgit: Viele sind erstaunt, wie gut sie sich fühlen. Sie kommen zur Ruhe, tanken neue Kraft und erleben eine mentale Klarheit, die sie vorher nicht erwartet hätten. Natürlich freuen sich viele auch über den Gewichtsverlust, aber noch häufiger höre ich, wie erholt und ausgeglichen sich die Menschen nach der Woche fühlen.
Münster aktiv: Warum gehört das Wandern unbedingt dazu?
Birgit: Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil des Konzepts. Durch die Wanderungen greift der Körper bevorzugt auf seine Fettreserven zurück. Würde man sich während des Fastens kaum bewegen, könnte stattdessen Muskelmasse abgebaut werden. Außerdem ist die Bewegung an der frischen Luft ein wichtiger Faktor für das Wohlbefinden.
Münster aktiv: Könnte man das nicht auch allein zu Hause machen?
Birgit: Natürlich kann jeder für sich fasten. Für Einsteiger halte ich eine begleitete Fastenwoche aber für deutlich sinnvoller. Es gibt immer wieder Fragen oder kleinere Beschwerden wie Kopfschmerzen, bei denen man gezielt unterstützen kann. Außerdem fällt es vielen leichter, wenn sie für einige Tage aus ihrem Alltag herauskommen. Zu Hause ist man schnell wieder in den gewohnten Abläufen, muss einkaufen, kochen oder arbeiten. Während einer Fastenwanderwoche kann man sich ganz auf sich selbst konzentrieren.

Münster aktiv: Für wen eignet sich Fastenwandern?
Birgit: Mein Angebot richtet sich an gesunde Erwachsene. Menschen mit leicht erhöhtem Gewicht oder leicht erhöhten Blutfett- oder Blutzuckerwerten profitieren häufig ebenfalls. Wer allerdings chronische Erkrankungen hat oder regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte nur nach Rücksprache mit dem Hausarzt teilnehmen. In solchen Fällen lasse ich mir grundsätzlich eine ärztliche Zustimmung geben.
Münster aktiv: Wie stellst du sicher, dass Fastenwandern für die Teilnehmer geeignet ist?
Birgit: Jeder Interessent erhält vorab einen ausführlichen Fragebogen. Darin frage ich unter anderem nach Größe, Gewicht, Vorerkrankungen, Allergien und Medikamenten. So können wir gemeinsam klären, ob eine Teilnahme sinnvoll und sicher ist.
Münster aktiv: Fasten wird manchmal als esoterischer Trend belächelt. Wie gehst du mit diesem Vorurteil um?
Birgit: Das höre ich tatsächlich gelegentlich. Dabei ist das Buchinger-Fasten medizinisch anerkannt und gut untersucht. Es geht nicht um Esoterik, sondern um einen gesundheitsfördernden Lebensstil. Dass viele Menschen jedes Jahr wiederkommen, bestätigt für mich den positiven Effekt. Wer Fasten einmal bewusst erlebt hat, möchte diese Erfahrung häufig wiederholen.
Münster aktiv: Welche Rolle spielt unsere heutige Lebensweise dabei?
Birgit: Wir leben in einer Überflussgesellschaft. Essen ist jederzeit verfügbar und viele Menschen nehmen ständig kleine Snacks zu sich. Unser Körper ist evolutionär jedoch auch auf Phasen ohne Nahrung eingestellt. Das Intervallfasten zeigt das bereits im Kleinen. Beim Fastenwandern werden diese positiven Prozesse noch intensiver angestoßen.
Münster aktiv: Können Sportler ebenfalls vom Fastenwandern profitieren?
Birgit: Auf jeden Fall. Wer Sport treibt, möchte seinem Körper etwas Gutes tun. Fastenwandern ergänzt das sehr gut. Es geht nicht nur um Gewichtsreduktion, sondern darum, den Stoffwechsel anzuregen, den Körper zu regenerieren und mit neuer Energie in den Alltag oder das Training zurückzukehren.
Münster aktiv: Du bietest außerdem Ernährungsberatung an. Wie passt das zusammen?
Birgit: Die Ernährungsberatung ergänzt mein Angebot. Dabei geht es um allgemeine Themen wie ausgewogene Ernährung, Trinkverhalten oder Intervallfasten. Mein Herz schlägt aber ganz klar für das Fastenwandern. Das ist mein Schwerpunkt.
Münster aktiv: Wie bist du selbst zum Fasten gekommen?
Birgit: Ich bin vor vielen Jahren aus Neugier auf das Thema aufmerksam geworden und wollte es einfach ausprobieren. Es ging mir nie ums Abnehmen. Mich hat fasziniert, welche Wirkung das Fasten auf Körper und Geist haben kann. Seitdem faste ich selbst regelmäßig und erlebe immer wieder, wie gut mir diese bewusste Auszeit tut.
Münster aktiv: Was möchtest du Menschen mitgeben, die überlegen, zum ersten Mal an einer Fastenwanderung teilzunehmen?
Birgit: Man sollte offen dafür sein und sich bewusst auf die Woche einlassen. Wer bereit ist, sich diese Zeit für sich selbst zu nehmen, wird überrascht sein, wie gut Körper und Kopf davon profitieren können. Und wer anschließend seine Ernährung Schritt für Schritt verändert, kann viele positive Effekte langfristig mit in den Alltag nehmen.





