
Sebastian: Mein Weg zu den Nationalen Spielen von Special Olympics im Saarland
Münster Inklusiv · Triathlon · 25. Juni 2026
Die Nationalen Spiele von Special Olympics im Saarland waren für mich viel mehr als nur ein sportlicher Wettkampf. Sie waren ein Stück meines Lebensweges — voller Herausforderungen, Zweifel, Hoffnung und großer Glücksmomente. Diese Reise hat mir gezeigt, dass man mit Mut, Herz und den richtigen Menschen an seiner Seite Dinge schaffen kann, die man früher vielleicht nie für möglich gehalten hätte.
Die Vorbereitung auf den Triathlon war alles andere als leicht. Besonders das Schwimmen war für mich immer wieder eine große mentale Herausforderung. Durch schwierige Erfahrungen im Wasser kamen oft Ängste, Unsicherheiten und Zweifel hoch. Es gab Momente, in denen ich mich gefragt habe, ob ich das wirklich schaffen kann. Aber tief in mir war immer dieser Wunsch, nicht aufzugeben und weiterzukämpfen.
In dieser Zeit war meine Schwester Beate Sekula eine meiner wichtigsten Stützen. Sie begleitete mich als Headcoach und war weit mehr als nur eine Trainerin für mich. Sie war meine Ruhe, mein Rückhalt und mein Anker, wenn meine Gedanken unruhig wurden. Immer wenn Zweifel aufkamen, war sie da, glaubte an mich und erinnerte mich daran, was alles in mir steckt. Dafür bin ich ihr unendlich dankbar.

Ein weiterer Moment, der mich tief berührt hat, war eine motivierende Nachricht von meinem großen Vorbild. Diese Worte kamen genau zur richtigen Zeit. Sie gaben mir Kraft, Hoffnung und neuen Glauben an mich selbst. Manchmal braucht es nur wenige Sätze von einem Menschen, zu dem man aufschaut, um wieder daran erinnert zu werden, warum man kämpft.
Dann kam endlich der Wettkampftag.
Als ich am Start stand, war da Nervosität — aber auch Stolz. Stolz, überhaupt dort stehen zu dürfen. Es war erst das zweite Mal, dass ich mit einem Neoprenanzug geschwommen bin. Umso mehr war ich überrascht und erleichtert, dass ich diesmal deutlich weniger Probleme im Wasser hatte. Ich konnte ruhiger bleiben, meinen Rhythmus finden und mich auf mich selbst konzentrieren. Für viele mag das selbstverständlich klingen — für mich war es ein riesiger persönlicher Sieg.
Nach dem Wechsel aufs Rad spürte ich, wie sich etwas in mir veränderte. Die Anspannung fiel langsam ab und ich merkte: Jetzt bin ich wirklich im Rennen angekommen. Mit jeder Kurbelumdrehung kam mehr Selbstvertrauen zurück. Kilometer für Kilometer konnte ich mich nach vorne arbeiten. Da wir jedoch vier Runden fahren mussten, war es schwer einzuschätzen, wie weit die anderen Athletinnen und Athleten von mir entfernt waren. Ich wusste oft nicht, wo ich genau lag. Aber ich entschied mich, nicht gegen andere zu fahren — sondern gegen meine eigenen Zweifel. Ich konzentrierte mich nur auf mein Rennen und darauf, alles zu geben.
Beim abschließenden Lauf musste ich noch einmal tief in mich hineingehen. Meine Beine wurden schwer, die Erschöpfung war spürbar. Doch genau in diesen Momenten zahlte sich mein Intervalltraining aus. Schritt für Schritt kämpfte ich mich weiter nach vorne. Jeder Meter war ein kleiner Sieg. Jeder überholte Platz gab mir neue Energie. Auf den letzten Metern spürte ich nur noch Emotionen — Erleichterung, Stolz und pure Dankbarkeit.
Nach den Spielen durfte ich eine weitere besondere Erfahrung machen: Ich erhielt eine Einladung von Sailfish. Dort bekam ich die Möglichkeit, noch mehr über Neoprenanzüge und deren richtige Passform zu lernen. Besonders bewegend war für mich, dass ich die Gegenstromanlage nutzen durfte. Dort konnte ich erleben, wie sich Sicherheit im Wasser anfühlen kann. Diese Erfahrung war für mich weit mehr als Techniktraining — sie gab mir Vertrauen und nahm mir ein Stück Angst.
Ein weiterer unglaublich emotionaler Moment war der Empfang im Rathaus von Münster. Alle Athletinnen und Athleten aus Münster wurden von Oberbürgermeister Tilman Fuchs eingeladen. Dieser Empfang hat mich tief berührt. Zu spüren, dass unsere Leistungen gesehen und wertgeschätzt werden, war etwas ganz Besonderes. Es ging nicht nur um Medaillen oder Platzierungen — es ging um Anerkennung, Respekt und gelebte Inklusion.
Es war für mich eine riesige Ehre, die Stadt Münster und Special Olympics Nordrhein-Westfalen im Saarland vertreten zu dürfen. Ich bin dankbar für jede Begegnung, für jeden neuen Menschen, den ich kennenlernen durfte, und für jede Freundschaft, die ich wieder aufleben lassen konnte.
Wenn ich auf diese Reise zurückblicke, sehe ich mehr als nur einen Triathlon. Ich sehe meinen Weg — mit Rückschlägen, Ängsten, Hoffnung und Wachstum. Ich sehe, wie weit ich gekommen bin.
Und ich weiß heute mehr denn je: Solange ich an mich glaube und Menschen an meiner Seite habe, die mich tragen, ist vieles möglich. Aufgeben war nie eine Option — und wird es auch nie sein.
Text/Foto: Sebastian Sekula





