
Timon Meyer: „Wir werden diese tolle Organisation weiterentwickeln“
Interview · Münster Inklusiv · 2. November 2026
Kanutin trifft neuen Bundesgeschäftsführer – Juliana Rößler von Special Olympics Berlin hat Timon Meyer gefragt, warum er sich für Special Olympics Deutschland engagiert, was seine Familie dazu sagt und welche Pläne er nun hat.
Juliana: Timon, was gefällt dir an Special Olympics Deutschland?
Timon: Ich finde es großartig, wie hier Menschen im Mittelpunkt stehen. Es geht nicht nur um sportliche Leistungen, sondern auch um Gemeinschaft, um Selbstvertrauen und die Möglichkeit eigene Stärken zu zeigen. Dabei ist es besonders wertvoll, dass Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung nicht auf diese reduziert werden, sondern mit ihren jeweiligen Möglichkeiten und Persönlichkeiten wahrgenommen werden. Special Olympics Deutschland zeigt, wie viel Sport bewegen kann, auf dem Platz und darüber hinaus.
Juliana: Warum hast du die neue Aufgabe übernommen?
Timon: Mich reizt vor allem die Verbindung von Sport mit Inklusion, Zusammengehörigkeit und der Möglichkeit der ständigen Weiterentwicklung dieser bereits tollen Organisation. Alle diese Dinge spielen in meinem beruflichen und privaten Leben seit jeher eine Rolle. Ich bin überzeugt davon, dass wir gemeinsam beim Thema Inklusion noch ganz viel erreichen können. Special Olympics Deutschland verbindet Sport mit einer wichtigen gesellschaftlichen Aufgabe. Ich möchte dazu beitragen, dass Menschen mit geistiger Behinderung überall selbstverständlicher dazugehören und die gleichen Chancen wie alle anderen bekommen.
Juliana: Was sagt deine Familie dazu?
Timon: Die finden das richtig toll. Sie wissen, wie wichtig es mir ist, etwas zu machen, was für mich wirklich eine Bedeutung hat. Bei der gemeinsamen Mission hier geht mein Herz echt auf. Übrigens, meine Tochter ist eine richtige „Sportskanone“. Sie macht total gern Sport, momentan am liebsten Ballett. Aber sie fährt auch begeistert Fahrrad. Und wer weiß, vielleicht wird sie einmal eine Special-Olympics-Athletin.
Juliana: Was hast du früher gemacht?
Timon: Mein Werdegang ist ziemlich bunt. Ich war in einem großen Unternehmen tätig, habe mich mit Strategieplanung und später Wirtschaftsförderung beschäftigt. Danach habe ich eine eigene Beratungsgesellschaft gegründet und als Geschäftsführer einen Verband aufgebaut. Zuletzt leitete ich den Bereich Kommunikation in einem großen Forschungsinstitut. Mein Berufsleben war praktisch immer an der Schnittstelle von Politik, Wirtschaft, manchmal Wissenschaft und Gesellschaft. Der rote Faden dabei ist, strategisch vorzugehen, unterschiedliche Menschen einzubeziehen, sie auf gemeinsame Ziele einzuschwören und Organisationen weiterzuentwickeln. Ich freue mich sehr darauf, diese Erfahrungen jetzt hier einzubringen.
Juliana: Welchen Sport treibst du?
Timon: Vor allem Radsport. Im Sommer fahre ich gern Rennrad, wenn es kälter ist, nehme ich mein Gravel- oder Mountainbike. In meiner Jugend habe ich sehr leistungsorientiert Sport gemacht. Da war alles Mögliche dabei, Fußball, Basketball, Leichtathletik, später dann Triathlon und eben Radsport. Jetzt überwiegt für mich vor allem die Freude an der Bewegung. Ich brauche Sport einfach, um mich mal richtig auszupowern.
Juliana: Hast du auch andere Hobbys?
Timon: Oh ja. Ich liebe Musik, zum Beispiel zeitgenössischen Jazz, und besuche gern Konzerte. Ich mag es auch, sehr gut zu essen. Ebenso bin ich ein Fan von Kunst, Literatur und Kino. Das alles ist mir wichtig, um in der Balance zu bleiben. Leider bleibt oft nicht viel Zeit dafür. Deshalb ist es umso schöner, wenn ich dann mal ein tolles Erlebnis habe.
Juliana: Hast du einen Plan, was du als Chef nun als erstes machen wirst?
Timon: Darüber habe ich mir schon ganz viele Gedanken gemacht, seitdem klar war, dass ich die neue Aufgabe übernehme. Ich habe mir vorgenommen, erst einmal alle kennenzulernen: Athletinnen und Athleten, die Landesverbände, alle Mitarbeitenden, die Ehrenamtlichen und unsere Partner. Ich möchte verstehen, was wir alles schon super machen und an welchen Stellen wir noch besser werden können. Vor uns liegt die Umsetzung des Strategieplans und es geht darum, dass unsere Organisation finanziell auf guten Füßen steht. All das wird wichtig sein. Mir geht es nicht darum, alles über den Haufen zu werfen – sondern zu sehen, wo wir stehen, um dann gemeinsam die nächsten Schritte mit dir und allen anderen zu entwickeln. Meine Erfahrung ist, dass Sachen immer besser gelingen, wenn wir alle an einem Strang ziehen. Deshalb ist für mich Zusammenhalt im Team ganz wichtig.
Juliana: Wie willst du mehr Inklusion in Deutschland erreichen?
Timon: Aus meiner Sicht gelingt Inklusion dann, wenn sie im Alltag ganz selbstverständlich wird. Das kann in Schulen sein, in Sportvereinen, am Arbeitsplatz und in unserer Gesellschaft insgesamt. Dafür müssen wir Begegnungen ermöglichen, Barrieren abbauen und Menschen mit geistiger Behinderung stärker an Entscheidungen beteiligen. Special Olympics Deutschland spielt dabei eine wichtige Rolle, weil wir zusammen zeigen können, was inklusive Sportangebote bewirken. Wir sind imstande, andere Vereine und Organisationen dabei zu unterstützen, inklusiver zu werden. Gemeinsam mit Partnern aus Politik, Wirtschaft, Bildung und Gesellschaft können wir Veränderungen anstoßen und erzielen. Entscheidend ist für mich, dass wir nicht nur über Menschen mit geistiger Behinderung sprechen, sondern mit ihnen. Deshalb finde ich es toll, dass schon jetzt Athletinnen und Athleten wie du unsere Arbeit aktiv mitgestalten. Mein Ziel ist eine Gesellschaft, in der jeder Mensch die Chance hat, seine Fähigkeiten einzubringen, dazuzugehören und gleichberechtigt mitzumachen.
(Notiert von Hartmut Augustin.) Credit: SOD/ Louisa Raupach





