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Caroline Pohle: „Triathleten sind zähe Hunde“

Caroline über ihren fünften Platz beim DATEV Challenge Roth, den legendären Solarer Berg und warum Hobbyathleten häufiger auf ihr Bauchgefühl hören sollten

Von Sabine Roters | Münster aktiv

Mit Platz vier bei ihrer ersten Langdistanz sorgte Caroline Pohle beim DATEV Challenge Roth für eines der bemerkenswertesten Ergebnisse des Tages. Die Profi-Triathletin überzeugte nicht nur sportlich, sondern beeindruckte auch mit ihrer mentalen Stärke. Im Gespräch mit Münster aktiv spricht sie über den Moment, der ihr in Roth den Atem raubte, den schmalen Grat zwischen Ehrgeiz und Enttäuschung – und warum sie den Sparda Münster City Triathlon in guter Erinnerung hat.


Münster aktiv: Caroline, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch aus Münster zu diesem großartigen vierten Platz in Roth. Vielen Dank, dass du dir Zeit für unser Interview nimmst.

Caroline Pohle: Vielen lieben Dank! Ich freue mich sehr über die Glückwünsche aus Münster.


Münster aktiv: Bevor wir über Roth sprechen: Du warst ja auch schon beim Sparda Münster City Triathlon am Start. Welche Erinnerungen hast du an Münster?

Caroline Pohle: Münster ist mir wirklich in guter Erinnerung geblieben. Es war eine tolle Veranstaltung mit einer schönen Atmosphäre. Man merkt, dass der Triathlon dort einen hohen Stellenwert hat und viele Menschen den Sport begeistert verfolgen. Solche Rennen machen einfach Spaß.


Münster aktiv: Mit etwas Abstand betrachtet: Überwiegt inzwischen der Stolz auf Platz vier oder schmerzt es noch ein wenig, dass das Podium so nah war?

Caroline Pohle: Direkt nach dem Rennen war schon etwas Wehmut dabei. Ich hatte den dritten Platz lange gehalten und natürlich hätte ich ihn gerne bis ins Ziel gebracht. Ich bin einfach sehr leistungsorientiert.

Mit ein paar Tagen Abstand überwiegt aber ganz klar der Stolz. Es war meine erste Langdistanz und ich bin das Rennen mit viel Selbstvertrauen und Mut angegangen. Darauf bin ich heute wirklich stolz.


Münster aktiv: Viele Zuschauer sehen am Ende nur das Ergebnis. Was ging auf den letzten Kilometern wirklich in dir vor?

Caroline Pohle: Irgendwann hatte ich richtige Aussetzer. Ich musste mich unglaublich konzentrieren, überhaupt noch einen Schritt vor den anderen zu setzen.

In solchen Momenten geht es gar nicht mehr um Platzierungen. Es geht einfach nur noch darum, weiterzumachen und das Ziel zu erreichen. Genau diese mentale Leistung macht mich heute fast noch stolzer als der vierte Platz.


Münster aktiv: Kann man sich auf so einen Moment überhaupt vorbereiten?

Caroline Pohle: Ich habe im Vorfeld viel an meiner mentalen Stärke gearbeitet und versucht, mich auch auf diese langen Stunden einzustellen. Aber eine Langdistanz kann man nie komplett planen.

Man weiß vorher einfach nicht, was nach sechs oder sieben Stunden im Körper passiert. Genau das macht diesen Sport auch so besonders.


Münster aktiv: Es war ein sehr heißes Rennen. Hast du dich gezielt auf diese Bedingungen vorbereitet?

Caroline Pohle: Ja, ich habe Hitzetraining gemacht und versucht, meinen Körper daran zu gewöhnen. Aber Wettkampf ist eben immer noch einmal etwas anderes als Training. Man kann vieles testen und vorbereiten – aber eben nicht alles.


Münster aktiv: Wenn du heute an Roth zurückdenkst – welcher Moment kommt dir als Erstes in den Sinn?

Caroline Pohle: Ganz klar der Solarer Berg.

Das war wahrscheinlich das Krasseste, was ich bisher als Sportlerin erlebt habe. Mir ist wirklich die Luft weggeblieben. Ich hatte Gänsehaut am ganzen Körper.

Die Zuschauer standen so dicht an der Strecke und haben mich so laut angefeuert, dass ich mich richtig konzentrieren musste, überhaupt geradeaus zu fahren. Diese Atmosphäre kann man kaum beschreiben.

Man fährt diesen Berg hinauf und wird von einer Wand aus Menschen getragen. Das werde ich nie vergessen.


Münster aktiv: Während unseres Gesprächs wird überall über das Ausscheiden der deutschen Fußball-Nationalmannschaft diskutiert. Mal ganz spontan gefragt: Was könnten sich Fußballprofis von Triathleten abschauen?

Caroline Pohle: (lacht) Im Wettkampf stehe ich am Ende komplett allein da.

Natürlich habe ich in der Vorbereitung ein großes Team um mich herum. Aber sobald der Startschuss fällt, muss ich jede Entscheidung selbst treffen und mich auch alleine durch schwierige Situationen kämpfen.

Im Triathlon kann unglaublich viel passieren – Hitze, Wind, Ernährung oder technische Probleme. Trotzdem kämpfst du bis zum letzten Meter weiter.

Ich glaube, genau diese mentale Stärke und der Wille, wirklich bis zum letzten Tropfen alles zu geben, zeichnen Triathleten aus. Nicht aufzugeben, auch wenn es richtig schwer wird – das ist etwas, wovon jede Sportart profitieren kann; auch der Fußball.


Münster aktiv: Welchen Rat würdest du den vielen Hobby-Triathletinnen und Hobby-Triathleten geben, die davon träumen, einmal selbst in Roth zu starten?

Caroline Pohle: Als Sportler sollte man Roth unbedingt einmal erlebt haben.

Nicht nur wegen des Rennens, sondern wegen der Menschen. Man spürt dort, was Sport auslösen kann. Diese Gemeinschaft und diese Begeisterung sind einfach einzigartig.

Im Nachhinein würde ich sogar sagen, dass ich beim nächsten Mal die Atmosphäre noch etwas bewusster genießen möchte. Als Profi ist man natürlich sehr auf die eigene Leistung fokussiert.


Münster aktiv: Welchen Tipp hast du noch?

Caroline Pohle: Ja. Ich habe manchmal das Gefühl, dass viele Altersklassenathleten viel zu verkopft sind.

Es geht ständig um Material, Wattwerte und Technik. Dabei vergessen viele, einfach auf ihren Körper zu hören.

Gerade Anfänger sollten viel mehr auf ihr Bauchgefühl vertrauen, gemeinsam trainieren und den Spaß am Sport in den Vordergrund stellen. Ehrgeiz ist wichtig – aber Sport soll vor allem Freude machen.


Münster aktiv: Worauf dürfen sich deine Fans in den nächsten Monaten noch freuen?

Caroline Pohle: Zunächst starte ich bei einem großen Rennen in meiner Heimatstadt. Darauf freue ich mich sehr und natürlich möchte ich dort aufs Podium laufen.

Anschließend geht es zur Ironman-70.3-Weltmeisterschaft nach Nizza. Dort wäre ein Platz unter den Top Fünf ein großer Traum.


Münster aktiv: Caroline, vielen Dank für das sympathische Gespräch. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg und drücken natürlich auch hier in Münster die Daumen.

Caroline Pohle: Vielen Dank! Das hat mich sehr gefreut.

Fotos: Julian Wüst

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