
MUT-TOUR machte Station in Münster auf dem Stubengassenplatz
Gesundheit · 20. Juli 2026
Psychische Erkrankungen sichtbar machen, miteinander ins Gespräch kommen und Mut schenken – dafür steht die MUT-TOUR. Am 15. Juli machte die bundesweite Tandem-Tour Halt in Münster.
„Jede Etappe ist anders. Es ist ein Abenteuer, das einen aus der Komfortzone lockt“, sagt Susanne Huber aus München. Die 46-Jährige ist Teil der MUT-TOUR 2026 und weiß, wovon sie spricht. Seit Wochen ist sie gemeinsam mit anderen Teilnehmenden quer durch Deutschland unterwegs – auf dem Tandem, zu Fuß und vor allem im Austausch mit den Menschen.
Die Übernachtungen erfolgen meist in Zelten. Morgens ist oft noch unklar, wo am Abend geschlafen wird. Gerade diese Ungewissheit macht für Huber einen besonderen Reiz aus. „Man hat viele besondere Begegnungen mit seinen Mitmenschen und eigene Vorurteile werden infrage gestellt. Ich habe erfahren, wie offen die Menschen sind und wie viel Vertrauen sie uns entgegengebracht haben. Das hat mich sehr beeindruckt.“
Genau darum geht es bei der MUT-TOUR. Seit 2012 setzt sich das bundesweite Projekt für mehr Offenheit im Umgang mit psychischen Erkrankungen ein. Betroffene, Angehörige sowie Menschen aus psychosozialen Berufen fahren gemeinsam Tandem oder wandern durch Deutschland. Unterwegs suchen sie das Gespräch mit Passantinnen und Passanten, Medien sowie Verantwortlichen aus Politik und Gesellschaft.
Denn psychische Erkrankungen gehören längst zum Alltag vieler Menschen: Rund 18 Millionen Erwachsene in Deutschland sind jedes Jahr betroffen. Dennoch erleben viele Ausgrenzung oder haben Angst, offen über ihre Erkrankung zu sprechen.
Unter dem Motto „Gemeinsam irre mutig“ möchte die MUT-TOUR genau das verändern. Das Wort „irre“ wird dabei bewusst neu besetzt – als Zeichen für Offenheit, Gemeinschaft und den Mut, Vorurteile zu überwinden.
Insgesamt legt die MUT-TOUR in diesem Jahr rund 4.100 Kilometer zurück. Vom Start Ende Mai bis zum Finale am 12. September in Bremen absolvieren die wechselnden Teams 13 Etappen und mehr als 50 öffentliche Aktionstage.
Ein Symbol der Tour ist das Tandem. Hier kommt niemand allein ans Ziel. Vertrauen, Kommunikation und gegenseitige Unterstützung sind Voraussetzung dafür, dass die Fahrt gelingt. Werte, die auch im Umgang mit psychischen Erkrankungen eine wichtige Rolle spielen.
Oder, wie Teilnehmer Marcel Schmitz es formuliert: „Wenn man in Bewegung kommt, kommt man wieder in Verbindung – mit der Natur, mit Menschen und mit sich selbst.“
Die MUT-TOUR zeigte in Münster eindrucksvoll, dass Bewegung weit mehr sein kann als Sport. Sie kann Menschen zusammenbringen, Vorurteile abbauen und den Mut stärken, offen über psychische Gesundheit zu sprechen.




