
Lungenkrebs früher erkennen: Münsterland vernetzt die Versorgung digital
Gesundheit · 13. Oktober 2026
Neue regionale Infrastruktur soll den Zugang zur Früherkennung für rund 105.000 Menschen mit erhöhtem Risiko erleichtern. Vier Kliniken und niedergelassene Ärzte arbeiten dafür zusammen.
Münsterland, 13. Oktober 2026. Lungenkrebs wird häufig erst entdeckt, wenn die Erkrankung bereits weit fortgeschritten ist. Ein neues bundesweites Früherkennungsprogramm soll helfen, die Krankheit früher zu erkennen. Im Münsterland entsteht dafür eine besondere Versorgungsstruktur: Kliniken, Hausarztpraxen und radiologische Einrichtungen arbeiten über eine gemeinsame digitale Plattform zusammen. Sie soll den Weg von der ersten Beratung bis zur Abklärung auffälliger Befunde vereinfachen und beschleunigen.
Rund 105.000 Menschen im Münsterland erfüllen Schätzungen zufolge die Voraussetzungen für die Teilnahme am Lungenkrebsscreening. Das Angebot richtet sich an Menschen zwischen 50 und 75 Jahren, die über viele Jahre stark geraucht haben oder noch rauchen. Bei der Untersuchung wird die Lunge mittels Niedrigdosis-Computertomographie (Low-Dose-CT) mit besonders geringer Strahlenbelastung untersucht.
Ein gemeinsamer Weg von der Hausarztpraxis bis zur spezialisierten Behandlung
Die Münsterlandinitiative Lungenkrebsscreening setzt dort an, wo der Zugang zur Früherkennung bislang durch bürokratische Hürden und aufwendige Abstimmungen erschwert werden kann. Eine gemeinsame digitale Plattform begleitet den gesamten Prozess: von der ärztlichen Beratung über die Terminvergabe und Untersuchung bis zur weiteren Abklärung auffälliger Befunde.
Beteiligt sind das Universitätsklinikum Münster (UKM), das Alexianer Clemenshospital Münster, das St. Franziskus-Hospital Münster und das Klinikum Ibbenbüren, eine Einrichtung der Mathias-Stiftung Rheine. Hinzu kommen niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sowie radiologische Praxen.
„Beim Lungenkrebsscreening geht es nicht um eine einzelne Untersuchung, es müssen viele Beteiligte Hand in Hand arbeiten“, sagt Prof. Johannes Wessling, Initiator und Sprecher der Münsterlandinitiative. „Genau hier setzt unsere Zusammenarbeit an: Wir schaffen eine gemeinsame Infrastruktur im Münsterland und vernetzen die Beteiligten digital, damit Informationen schnell dort ankommen, wo sie gebraucht werden.“
Für die teilnehmenden Hausarztpraxen bedeutet das unter anderem, dass sie den Stand des Screeningprozesses nachvollziehen und Befunde einsehen können. Die beteiligten Radiologien und Lungenkrebszentren erhalten Zugriff auf relevante Bilddaten, Voraufnahmen und Befundinformationen. KI-gestützte Analysewerkzeuge unterstützen die Erkennung und Vermessung von Lungenrundherden.
Rund 1.000 niedergelassene Ärztinnen und Ärzte der Allgemein- und Inneren Medizin wurden in den vergangenen Monaten bereits geschult. Damit sind wichtige Voraussetzungen geschaffen, um die digital unterstützten Abläufe im Oktober zu starten.
Früherkennung braucht verlässliche Abläufe
Ob eine Person die Teilnahmebedingungen erfüllt, prüfen entsprechend qualifizierte Ärztinnen und Ärzte. Sie beraten auch über den möglichen Nutzen und die Risiken der Untersuchung sowie über Angebote zur Rauchentwöhnung. Bei auffälligen Ergebnissen folgen je nach Befund weitere Untersuchungen. Falls erforderlich, übernehmen die beteiligten Lungenkrebszentren die spezialisierte Abklärung und Behandlung.
„Für viele Menschen beginnt Prävention in der Hausarztpraxis“, sagt Dr. Hendrik Oen, Facharzt für Innere Medizin und Bezirksstellenleiter der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, Bezirksstelle Münster. „Entscheidend ist, dass nach der Beratung ein einfacher und verlässlicher Weg in das Screening besteht. Die digitale Vernetzung kann dabei die medizinische Betreuung mit einem klaren und transparenten Ablauf verbinden.“
Auch Münsters Oberbürgermeister Tilman Fuchs sieht in der Initiative ein Beispiel für die Bedeutung regionaler Zusammenarbeit: „Die Münsterlandinitiative bringt dafür medizinische Expertise und digitale Versorgungsangebote über die Grenzen einzelner Häuser und Kommunen hinweg zusammen. Das ist ein starkes Beispiel dafür, wie regionale Zusammenarbeit dazu beitragen kann, Gesundheitsversorgung konkret zu verbessern – für die Menschen in Münster und im gesamten Münsterland.“
Modell mit Perspektive über die Region hinaus
Die Initiative soll nicht nur die Abläufe im Screening verbessern. Durch die strukturierte digitale Datengrundlage können auch Teilnahme, Prozessqualität und Versorgung unter Alltagsbedingungen untersucht werden. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen helfen, die Früherkennung weiterzuentwickeln und Impulse für andere Regionen zu geben.
Matthias Heidmeier, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, betont: „Das Münsterland zeigt, wie moderne Prävention regional vernetzt und digital funktionieren kann. Daraus können wichtige Erfahrungen für Nordrhein-Westfalen und ganz Deutschland entstehen.“
Die Münsterlandinitiative verbindet damit zwei Ziele: Menschen mit erhöhtem Lungenkrebsrisiko den Zugang zur Früherkennung zu erleichtern und eine regional vernetzte Versorgungsstruktur zu schaffen, die auch über das Münsterland hinaus Modellcharakter entwickeln kann.
Weitere Informationen
Teilnahmebedingungen des Gemeinsamen Bundesausschusses:
www.g-ba.de/themen/methodenbewertung/erwachsene/krebsfrueherkennung/lungenkrebs-screening/
Westfälisches Lungenkrebszentrum UKM | SFH:
www.ukm.de/muensterlandinitiative-lungenkrebsscreening
Lungenkrebszentrum des Alexianer Clemenshospitals:
www.clemenshospital.de/leistungen/zentren/lungenkrebszentrum
Lungenkrebsscreening am Klinikum Ibbenbüren:
www.mathias-medizin.de/leistungen-einrichtungen/einrichtungen/klinikum-ibbenbueren/leistungen-informationen/fachkliniken/klinik-fuer-radiologie-neuroradiologie/lungenkrebsscreening
Text/Foto: Michael Bührke (Alexianer Clemenshospital Münster) und Marion Zahr (UKM)





